Kirche für den Alpenraum

Auf der Suche nach einer passenden Kirche für mein Anlagenmotiv scheiterte ich bei den üblichen Anbietern spätestens am Kirchturm. Eine Spitzhaube, wie hier an der Kirche von Kreuth, findet man in Tirol, Salzburg und Kärnten an jeder Ecke, nicht aber im Modellbahnladen. Hier noch Beispiele aus Rattenberg und Kufstein (beides Tirol).
Ausserdem sind die Bausatz-Kirchen i.d.R. maßstäblich zu klein geraten.

Vielleicht hier noch die Anmerkung, dass es "die" Form der Spitzhaube nicht gibt - nicht nur der Winkel der Spitze ist im Vorbild in allen Variationen zu finden (z.B. sogar Türme, bei denen die Spitzhaube höher als der gemauerte Teil des Turmes ist), manche sind konkav geschwungen gebaut. Ausserdem tragen die Giebelseiten des Turmes häufig Verzierungen, etwa in Art einer Kugel mit Spitze, und die Abläufe für das Regenwasser in den Ecken zwischen den Giebeln sind häufig sehr kunstfertig ausgebildet, etwa in Form von Drachen- oder Teufelsköpfen - Details, die man oft nur aus direkter Nähe erkennen kann.

Und nicht zuletzt findet man die unterschiedlichsten Fensterformen.



Ein konkretes Vorbild habe ich für meine Kirche nicht, es geht nur um die vorbildähnliche Konstruktion.Hier bleibt logischerweise wieder mal nur der Selbstbau. Schwierig ist die Kirchturmspitze, die von der Geometrie grundsätzlich zwar banal ist, die Berechnung gelingt relativ einfach durch Zerlegung in rechtwinklige Dreiecke.

Nach einer hilfreichen Diskussion in de.rec.modelle.bahn konnten die Maße der Grundform mittels eines Excel-Arbeitsblattes errechnet und mit einem CAD-Programm auf Papier ausgedruckt werden.

Nachdem ich mir mittlerweile auch Corel Draw (als 9er oem-Version für 29 Euro bei Conrad) zugelegt habe, nebenstehend ein Entwurf, wie das ganze mal aussehen soll <---.
 


skizze Draht Hier sind die Einzelteile ersichtlich: Giebeldreiecke mit jeweils 2 spitzen Dreiecken bilden die 4 Seiten der Turmspitze. Diese 4 Seiten wurden zunächst verklebt und sehen aus wie kleine Schiffchen, die dann um eine quadratische Bodenplatte zur Haube vereinigt wurden.
Basierend darauf wurden die Dachteile und die seitlichen Giebeldreiecke aus dünnem Polystyrol ausgeschnitten und verklebt werden.

Links die Spitze, dahinter zum Größenvergleich der Kirchturm des Kibri-Bausatzes "Ramsau".

Grundfläche des Kirchturms sind 4x4cm, die Höhe (ohne Turmkreuz) 28 cm.

Entspricht also 3,5 m Seitenlänge und 24 m Höhe, das sollte ein realistischer Vorbildwert für eine kleine Kirche sein (lieber eine kleine Kirche maßstäblich als eine grosse stark verkleinert, finde ich).

Die 4 Seiten des "eigentlichen" Turms (gemauertes Unterteil) wurden aus 3mm PS zugeschnitten und Löcher für die Fenster vorgebohrt. Mit Messer und Feile wurden die Fenster dann erweitert.

Die 4 Mauerseiten konnten nun an die Spitzhaube geklebt werden.

Leider hatte ich grosse Probleme, die Fenster identisch zu machen - was bei dünnerem Polystyrol und rechteckigen Fenstern durch Einritzen der Umrisse und der Diagonalen sowie anschliessendem Durchbrechen noch recht einfach geht, führt bei den Rundbogenfenstern und 3 mm PS zu immer größeren Fensterdurchbrüchen, wenn man sie abwechselnd dem jeweiligen Pendant anpassen will (der ein oder andere kennt sicher den Valentinschen Versuch, Tischbeine auf gleiche Länge zu sägen ;-))
Daher wurde ein Urmodell aus 3 Lagen PS geformt und in der daraus entstandenen Silikonform mit Technovit 3040 abgegossen.

In diesem Bild ist bereits ein Doppelfenster aus diesem Kunststoffguss in den Turm eingebaut.
Die Übergänge wurden mit Nitrospachtel (Autozubehör) verspachtelt und verschliffen.

Der Turm ist 28,5 cm hoch und 45x45 mm in der Grundfläche, das entspricht mit 23 m Höhe und 3,6 m Seitenlänge durchaus realistischen Vorbildern.

Zwischenzeitlich habe ich mir Gedanken zum Kirchenschiff gemacht, an dieser Stelle entstand die bereits weiter oben erwähnte Corel-Draw-Zeichnung.


Mittlerweile hat der Kirchturm Farbe bekommen (auf eine Schindelstruktur habe ich erst mal verzichtet, da man die sowieso nicht erkennt) sowie eine Spitze, bestehend aus einem in der Tischbohrmaschine gedrehtem Messingteil und einem Grabkreuz aus dem Sortiment von Manfred Luft.
Zum Abschluss des ersten Teils eine Stellprobe mit einem aus Karton provisorisch zusammengeklebten Kirchenschiff. Ein Preiser-Männchen am Kirchturm verdeutlicht die Maßstabsverhältnisse.
 
 
 

 

Verfasser: Peter Popp
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