Weichenselbstbau

mit Tillig-Elite-Gleis

Vorbemerkungen

Nach langer Zeit als märklin-K-Gleis-Verbauer habe ich mich entschlossen, auf Zweileiterbetrieb (ohne Mittelleiter) umzusteigen. Die Probleme wurden daher aber zunächst mal größer - so wie die Auswahl der Gleise ... 
In die engere Wahl kamen schließlich Roco-Line und die Elite-Gleise von Tillig. Beide haben ein Gleisprofil mit 2,1mm Höhe (Code 83). Allerdings sind die Elite-Gleisprofile noch zierlicher (schmäler) als die von Roco. 
Nachdem ich einige (leider zu wenige) Roco-Line-Gleise günstig erwerben konnte, wollte ich mir auch die Tillig-Produkte anschauen. Insbesondere der Selbstbau kam mir aufgrund der doch deutlichen Ersparnis gelegen. 

Als erstes "Opfer" erwarb ich daher ein Tütchen mit einem Weichenbausatz von Tillig. Diese Weiche hat einen Herzstückwinkel von 11° und entspricht damit etwa einer schlanken Weiche von Märklin. 


Gut gefallen hat mir an den Tillig-Produkten, dass es sich um Weichen mit vorbildentsprechenden Federzungen handelt. Die Schienenprofile sind brüniert, dies wirkt gefälliger als die metallglänzenden Roco-Line-Gleise (Material ist bei beiden Neusilber, das gute elektrische Leitfähigkeit aufweist und gut lötbar ist. Interessanterweise ist Neusilber nicht silber-, sondern goldfarben!). 

Anders als die meisten Modellgleise besitzen Elite-Gleise kein Herzstück als eigenes Teil, sondern die Schienen sind angespitzt und werden - ebenfalls vorbildgerecht - zusammengesetzt. Die Herzstückpolarisierung bezieht sich also auf diese beiden Gleisstummel, so dass Isolierschienenverbinder verwendet werden müssen. Die Federzungen erhalten die Versorgungsspannung jeweils über das Gleis, an dem sie anliegen. Dieses Verfahren birgt die Gefahr, dass durch Verschmutzung bzw. Oxydation der Zungen bzw. Gleise im Laufe der Zeit keine zuverlässige Stromübertragung mehr stattfindet. 


Zum Bausatz:

Der Bausatz enthält das fertige Schwellenband sowie die benötigen Schienen und Kleinteile und natürlich eine Anleitung, darüber hinaus einen Kontrollzettel (damit bei fehlendem Inhalt der richtige Packer seinen Anschiss bekommt). Lt. Anleitung darf der Bausatz nicht von Kindern unter 9 Jahren montiert werden, ausserdem besteht Verletzungsgefahr wegen scharfer Kanten. Die Warnungen erscheinen etwas übertrieben, der Bau einer Modellweiche ist sicher wesentlich weniger gefährlich als das Ausmessen einer Vorbildweiche bei laufendem Betrieb! 

Benötigte :

Eine Schere zum Öffnen der Verpackung, eine feine Feile (Schlüsselfeile flach), Bastelmesser und eine geeignete Unterlage. Ich bevorzuge dazu Graupappe, die farblich neutral ist und den Arbeitstisch vor Schnitten, Farb- bzw. Kleberflecken und Wutanfällen schützt. 

Arbeitsschritte

Das Tütchen wird mit einer Schere aufgeschnitten und Teile und Anleitung entnommen. 

Nun hat man folgende Teile vor sich liegen: 
 
 
 
Die Bauteile im einzelnen: 

das Schwellenband aus Kunststoff, 6 Schienenstücke (incl. der Federzungen), zwei dünne Blechstreifen für die elektrische Verbindung, 2 normale und 2 Isolierschienenverbinder sowie die Stellschwelle.

Nachdem man die Anleitung durchgelesen hat, werden als erstes die Schienenprofile (die langen Metallteile) entgratet. Dazu eignet sich eine kleinen Feile (Schlüsselfeile). An den seitlich ausgefrästen Stellen der äußeren Schienen ist auch die Kante zur Lauffläche vorsichtig zu entgraten, bitte nicht die Lauffläche dabei wegfeilen! Schnell und einfach geht es auch, wenn man den Grat mit einem Bastelmesser abzieht (Klinge im rechten Winkel auf den Daumen zeigend halten und die Schiene zwischen Klinge und Daumen durchziehen). Normalerweise sollen die Schienenprofile bereits passend vorgebogen sein, ggf. nach einem Blick in die Anleitung und mit dem Schwellenband als Vorlage korrigieren . 

Werden die Schienen nun probeweise in das Schwellenband eingezogen, erkennt man, ob noch nachbiegen oder entgraten nötig ist. Vor allem die Federzungen können jetzt auf korrekten Sitz bzw. Stellfunktion geprüft werden, wobei allerdings das spätere Biegen an der Herzstückseite bzw. der Enden nach unten in die Stellschwelle berücksichtigt werden müssen - die Federzungen können jetzt noch nicht bis in die Endlage geschoben werden, da sie nach dem Zurechtbiegen nicht mehr herausgezogen werden können! 

Die inneren (herzstückseitigen) Schienenstummel und die Federzungen werden jetzt wieder entnommen, um die elektrische Verbindung einzubauen. Die Beschreibung ist in diesem Punkt etwas unklar. Wichtig ist erst mal das Verständnis der Funktion: je nach dem, welche Zunge anliegt, wird die Spannung der jeweils berührten Aussenschiene an die kurzen Schienen, die das Herzstück bilden, übertragen. Die elektrische Verbindung führt über die beiden dünnen Blechstreifen. Besser als das einfache Einstecken wäre natürlich, die Stromversorgung über angelötete Drähte vorzunehmen! 

Diese Blechstreifen werden mit den Enden durch die viereckigen Löcher im Schwellenband (richtige Stelle durch abzählen lt. Anleitung) gesteckt und die nach oben stehenden Enden so umgebogen, dass sie jeweils Richtung Herzstück stehen - dies ist wichtig, um die Schienenstücke in der gleichen Richtung darüberschieben zu können. Die Schienenstücke sind dort, wo sie im eingeschobenen Zustand auf den Blechstreifen liegen, unten vor dem Einschieben abzuschmirgeln (im Zweifelsfall lieber einen grösseren Bereich, man sieht es ja nachher nicht mehr), um einen sauberen Kontakt sicherzustellen. (Herrjeh, das ist jetzt genauso unverständlich wie die Beschreibung, oder?). Jedenfalls gibt es - wenn die Schienen bzw. Federzungen wieder eingeschoben sind - Kontakt. 

Anmerkung:
Der Nachteil ist hier allerdings, dass beide Federzungen elektrisch verbunden sind und so bei durchfahrenden Wagen die Radkränze einen Kurzschluss auslösen können. Besser ist es, jeweils an die Federzungen und an das Herzstück einen Draht zu löten und - z.B. über den Weichenmotor - nur die jeweils benötigte Federzunge unter Strom zu setzen! (siehe auch weiter unten bei Einbau).

Die befürchteten Probleme traten auf, als die Spitzen der Federzungen in die Stellschwelle abzubiegen waren. Lt. Anleitung soll dies mit einer Flachzange gemacht werden, aber auch die kleinste mir zur Verfügung stehende Zange hat nicht ausreichend Platz, um diese Biegearbeit sauber innerhalb der Schwellen auszuführen, vor allem da die Spitzen erst 90 Grad nach unten durch die Stellschwelle führen und danach nochmals um 90 Grad abzuwinkeln sind. Mehrmaliges hin- und herbiegen führte zum Abbrechen der Spitzen - neue Spitzen wurden aus dünnen Blechstreifen geschnitten und angelötet, so dass die Weiche trotzdem zu einem funktionsfähigen Produkt zusammengebaut werden konnte. 

Ich halte es daher für zweckmässig, diese Biegearbeiten vor dem Einschieben der Federzungen auszuführen und die Zungen erst danach in das Schwellenbett einzuführen; wenn die äusseren Schienen in Richtung der Abzweigung herausgezogen werden, lässt sich das Schwellenbett problemlos soweit abbiegen, dass die Zungen mit angebogener Stellschwelle eingeführt werden können. 

Als letzte Arbeit sind die Schienen nach den in der Anleitung angegebenen Maßen auszurichten. Zu diesem Zeitpunkt sollte auch mit einem Wägelchen geprüft werden, ob sich die Weiche einwandfrei befahren lässt. Empfehlenswert ist m.E., die Schienen mit einzelnen Tropfen Sekundenkleber so zu fixieren, so dass sie sich nicht mehr verschieben können. Die Schienenverbinder sind nach Anleitung bzw. nach Bedarf zu verwenden. 
 

Die reine Bauzeit war ca. 15 Minuten (also wesentlich kürzer als das Schreiben dieser Seite). Es ist zu berücksichtigen, dass es der erste Weichenbausatz war, bei Serienfertigung und entsprechender Erfahrung geht es natürlich noch schneller. Insofern kann der Selbstbau wärmstens empfohlen werden (wenn man das oben erwähnte Weichenselbstbaumindestalter von 9 Jahren erreicht hat)! 

Einbau

Zu beachten ist, dass jeweils die richtigen Schienenverbinder (isoliert oder leitend) einzusetzen sind. Der Antrieb wird nach entsprechender Anleitung eingebaut. Zu beachten ist hier, dass die Federzungen eine höhere Antriebsleistung erfordern und nur motorische Antriebe wie Tillig, Fulgurex o.ä. geeignet sind. Allerdings wäre es auch paradox, so schöne Weichen mit einem Miniaturschussapparat anzutreiben - hier ist die langsame motorische Umstellung sozusagen das Tüpfelchen auf dem aahhhh.... 

Die Kombination von Elite- und Roco-Line-Gleisen ist möglich, da beide gleiche Profilhöhe aufweisen; allerdings sind wie bereits erwähnt die Elite-Gleisprofile schmäler, so dass die Gleisverbinder etwas auf- bzw. zusammengebogen werden müssen. 

Beim elektrischen Anschluss sollten abweichend von der Anleitung die Federzungen nicht elektrisch verbunden werden, da sonst Kurzschlüsse durch die Spurkränze durchfahrender Fahrzeuge entstehen können; ideal ist, nur die jeweils anliegene Zunge mit Spannung zu versorgen. Dies kann z.B. durch die Mikroschalter eines Weichenmotors (Fulgurex o.ä.) erfolgen. Dazu sollte gleich von Anfang an an die Kontaktstreifen weggelassen und an jede Zungenschiene (im feststehenden Bereich) sowie an das Herzstück je ein Draht angelötet und unter das Trassenbrett geführt werden; so kann die Verdrahtung nachträglich jederzeit geändert werden. 


Spannungsversorgung


Die Weichenzungen werden wie folgt mit Stromanschlüssen versehen: 
(Bild folgt) 

Beim Anlöten der Drähte ist darauf zu achten, dass die Schwellen nicht wegschmelzen. Ein Trick dazu: etwas Löthonig auf die Lötstellen an den Gleisprofilen geben, die Schwellen mit Wasser einsprühen und dann (schnell) Löten. Man kann die Lötstellen auch vor dem Einschieben der Profile in das Schwellenband bereits verzinnen und bis auf eine dünne Schicht - die Profile lassen sich sonst nicht mehr in die Kleineisen-Nachbildungen einschieben - abzufeilen. 

Das Ergebnis:

Hier ein Scan der fertigen Weiche von unten gesehen (stimmt in diesem Fall tatsächlich, da sie direkt auf den Scanner aufgelegt wurde ;-)) ). Darunter zum Vergleich eine normale märklin-K-Weiche, die natürlich mehr Stabilität aufweist als das Tillig-Produkt... 
Tillig und märklin im Vergleich

Nicht geklappt?

Falls der Zusammenbau der ersten Weiche nicht ganz geklappt hat, lässt sich so eine Weiche trotzdem verwenden, z.B. als Anschluss eines abgebauten Gleises. Die Zungen werden einfach in der "Dauerfahrrichtung" angelötet, auf dem nicht mehr verwendeten Gleisanschluss sind z.B. Schwellen als "Prellbock" eingegraben. 
 


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Verfasser: Peter Popp 
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