Materialien für den Anlagenbau

Diese Liste wurde aufgrund persönlicher Erfahrungswerte erstellt,
Ergänzungen + Aktualisierungen werden gerne entgegengenommen..

Blaue Texte sind aufgrund von Hinweisen anderer Modellbahner entstanden.

Unterbau | Landschaftsbau | Gestaltung | Kleber | Tipps
Tabelle 1: Unterbau (Platten, Rahmen, Modulkästen)
 
Bezeichnung Verwendung Eigenschaften
Massivholz als Leisten, Kanthölzer, Beine
auch z.B. Unterlage bei Rampen,
Rahmenbau mit Sperrholzplatte
preiswert, leicht
Preßspanplatte Grundplatte verzugsfest, aber schwer;
nur mit hochwertigen Sägeblättern
bearbeiten (werden schnell stumpf)
relativ preiswert
Hartfaserplatte Seitenverkleidung von Anlagen, 
Modulkästen (auf Massivholzrahmen), 
Hintergrund (z.B. bemalt oder mit 
Hintergrundtapete beklebt) 
nicht für tragende Teile verwendbar,
relativ preiswert, oft auch als Abfall
zu finden (Schrankrückwand, meist 
einseitig Kunststoffbeschichtung).
Weichfaserplatte schalldämmende Unterlage für 
Gleistrasse (auf Sperrholz o.ä.)
auch gebrochen für nachbildung 
von geschichteten Gesteinsformationen
oder für Pinnbretter
Weich, bricht leicht, schalldämmend
Sperrholz Grundplatten, Modulkästen, 
Trassen, Spanten
leichter als Spanplatten, relativ 
verzugsfest
Tischlerplatte Grundplatten, Modulkästen, Spanten noch leichter als Sperrholz, verzugsfest, 
allerdings erst ab ca. 13 mm Stärke erhältlich
Stahlprofile Rahmen, Beine als Lochraster-Winkelprofile 
für Regalbau etc.
Schemaskizzen zum Aufbau
Prizipiell sind 2 Methoden des Landschaftsbaus zu unterscheiden, und zwar Herausschneiden aus Vollmaterial und Spantenbau. Hier soll keiner Methode der Vorzug gegeben werden, letztenendes ist es eine Sache des persönlichen Geschmacks und der Materialerfahrung des einzelnen.
Schicht- bzw. Vollmaterialbau
Eine Verfeinerung der ersten Version ist der Schichtbau aus zugeschnittenen Schaumstoffplatten. Die Oberfläche der Landschaft ist dabei nicht selbsttragend und braucht nur aufgespachtelt zu werden.
 
Schema Vollmaterial Vorteil:

Kreativerer Landschaftsbau (probieren statt planen)

Einschnitte für Strecken wie in der Wirklichkeit durch Materialabtragen

Einfacherer Aufbau der Deckschicht (Aufspachteln genügt); somit können auch z.B. leichter Bäume "gepflanzt" werden

Nachteile:

Leitungsverlegung nachträglich umständlich

verdeckte Strecken müssen sofort eingeplant werden und sind nur schlecht erreichbar

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Spantenbauweise
Bei der Spantenbauweise werden Geländequerschnitte durch Spanten (meist aus Sperrholz zugesägt) erstellt, die mit einer tragenden Schicht (Drahtgewebe mit Bedeckung) überzogen werden. Als Landschaftshaut können z.B. Gipsbinden auf Fliegengitter oder "Kaninchendraht", aber auch Krepppapier mit Leim/Moltofillanstrich Verwendung finden. Die Spanten werden in der Regel direkt auf einer Unterkonstruktion (Lattenrahmen) montiert, aber auch eine durchgehende Grundplatte ist möglich.
 
Schemazeichnung Spantenbau Vorteile: 

Für verdeckte Streckenführungen und Schattenbahnhöfe kann ausreichend Platz bereitgestellt werden

Nachteile: 

Landschaftsform muß genau vorausgeplant werden, nachträgliches Wegnehmen sehr schwierig 

Beide Methoden können natürlich gemischt bzw. abgeändert eingesetzt werden. So können z.B. Styroporformteile (Verpackungsformteile) auf eine Platte geklebt und mit Drahtgewebe überzogen werden (wie Spanten). Auch aus kräftigem Karton bzw. Wellpappe können Spanten geschnitten werden. Theoretisch können Landschaftsformationen auch aus Bauschaum aufgesprüht werden (allerdings mehr oder weniger zufällige Ergebnisse).
 

Tabelle 2: Landschaftsbau

Material
    Verwendung
Eigenschaften
Gips Spachtelmasse; auf 
Drahtgitterunterlage mit Gips-
binden bzw. gipsgetränktem 
Gewebe als Geländefläche;
Gußmaterial z.B. für Felsen/ Mauern
kurze Verarbeitungszeit (ca 5 Minuten), bricht leicht
wichtig: nicht zu lange rühren!
mit Abtönfarben einfärbbar (nicht zuviel nehmen!)
Modellgips ist besser als der ganz einfache. Es gibt auch Sorten
mit verlängerter Verarbeitungsdauer.

Für Formguß sind spezielle Gipsarten erhältlich, meist tut es hier aber auch der Modellgips. 

Moltofill Spachtelmasse Verarbeitungszeit ca. 30 Minuten; haftet gut
auf Holz und Styropor (Styropor-Bruchstücke 
können mit Moltofill gut vermörtelt werden). Kann mit Sand, Sägespänen oder (mein Spezialrezept) Styroporbröseln aus der Küchenmaschine gestreckt werden (auch um rauhere Oberflächen zu erzielen)
Styropor Geländeunterbau, 
Gleisunterlage
Auf Rollen ("Untertapete") bzw. in Dicken ab 10 mm als Platten in Baumärkten rhältlich. Zum Geländebau auch Abfallstücke von Verpackungen gut verwendbar.

sehr leicht, bequem mit Messer oder Säge zu schneiden; Vorsicht: wird durch Lösungsmittel in Klebern und Lacken angegriffen, dieser Effekt kann jedoch z.B. gestalterischgenutzt werden (dosierte Gaben von Lösungsmittel zur Gestaltung von Teichen, Bächen usw.). 

Styrodur wie Styropor  ähnlich Styropor, aber kompakter (bröselt nicht so); mehr Druckfestigkeit. Auch Lösemittel-empfindlich!
Drahtgewebe Landschaftsunterbau auf 
Spanten oder Leisten
gut geeignet für großflächige Landschaftsgestaltung, darüber Gipsbinden oder Kreppapier mit versteifendem Anstrich, z.B. Mischung aus Weißleim und Moltofill. 
Fliegengitter oder Material für Kleintierställe (bis max. 1 cm Maschenweite) verwenden, aus Alu oder verzinkt (Rostschutz!). besonders feuchter Gips erzeugt sonst Rostflecken.
Karton Gebäude, Straßen, Bahnsteige usw. Karton kann in verschiedenen Formen Verwendung finden: 
mehrfach verleimter Wellkarton ("Panzerkarton") kann als Unterbau für Hügel/Berge und auch als Gleistrasse verwendet werden. Architekturkarton (besteht aus 2 Kartonschichten mit einer Schaumstoffschicht dazwischen) ist zum Auffüllen von Gleiszwischenräumen (Bahnsteig, Ladegleis), aber auch zum Gebäude-, Mauer- oder Brückenbau einsetzbar.
PU-Schaum
(Bauschaum)
Gelände PU-Schaum aus der Dose kann zur Gestaltung von Bergen etc verwendet werden. Vorsicht: schäumt meistens wesentlich stärker auf als man glaubt (wie Weißbier!). Klebt an allem und ist kaum mehr wegzubringen. Ausgeschäumte Hohlräume werden wesentlich stabiler (wenn sie nicht platzen!). Ausgehärtet mit Messer oder Säge gut zu bearbeiten. Auch zum Formschäumen (in entsprechenden Formen) verwendbar, nicht zuviel nehmen (siehe oben). Für mich der wesentlichste Nachteil: wenn man eine Dose mal angebrochen hat, kann man Reste meist wegwerfen.

Weiterer Nachteil: offensichtlich ist PU-Schaum auch in minderen Qualitäten auf dem Markt, die nicht alterungsbeständig sind und nach längerer Zeit zum zerbröseln neigen. Dies ist jedoch dann ohne Belang, wenn eine Geländeschale ausreichender Festigkeit darüber hergestellt wird.

Epoxydharz Gewässer nur farbloses (glasklar) Harz verwenden. 2-Komponenten-Gießharz, Verarbeitungs- und Trocknungsdauer produktabhängig. Relativ teuer. Vorsicht: Erwärmt sich beim Aushärten (ebenfalls unterschiedlich stark).
Polyesterharz Gewässer ähnlich Epoxy-Harz, aber besser für die Darstellung fließender Gewässer geeignet ( Wellennachbildung durch aufrühren vor dem Erstarren).
Achtung: scheint sich nicht mit Fensterfarben zu vertragen, wie sie häufig für das Aufmalen von Wellenstrukturen empfohlen werden!
Tabelle 3: Gestaltung
( siehe auch Basteltips zu Bäume, Straßen usw.)

Hier ist mal eine Auflistung von weniger gebräuchlichen Materialien vorgesehen, da die "normalen Zutaten" in jedem Geschäft erhältlich sind... Hintergedanke ist dabei vor allem der finanzielle Aspekt!
 
Material Verwendung Hinweise
Äste Bäume, Ladegut kost nix, liegt einfach so rum und Spazierengehen ist Gesund
Schleifpapier Dachpappe,
Straßen
auch Abfallstücke (z.B. Schleifbänder aus Schreinereien) gut verwendbar
Vogelsand Sand, Schotter Nicht blind kaufen, sondern nur passende Sorten. In verschiedenen Körnungen und Farben im Zoofachhandel/Kleintierbedarf. Manche Ausführungen sind sehr gut für Schotter, Ladegut oder z.B. für Kiesgruben o.ä. brauchbar.
Werg (Hanf) Gras, Schilf Werg bzw. Hanf ist in Baumärkten/Installateurbedarf als Dichtungsmaterial für Rohrverschraubungen erhältlich. Kann (entsprechend gekürzt) als nachbildung von Gras oder Schilf verwendet werden, auch gebündelt (dann wird es fieselig) für Reetdächer.

Kleber

Klebstoffe sind im Modellbau unentbehrlich, gleichzeitig ist das Angebot mittlerweile unüberschaubar geworden.

Standardkleber für den Modellbahner sind Weißleim (Ponal, UHU-Coll usw) zum Verleimen von Holz, Begrasung, Schotter (ggf. verdünnt und mit 1 Tropfen Spülmittel), Kunststoffkleber für Polystyrol (Bausätze für Häuser usw.), ferner eine Heißklebepistole für Bäume etc., Sekundenkleber (beste Erfahrungen habe ich mit dickflüssigen, z.B. von Greven, gemacht), evt. Alleskleber bzw. Bastelkleber, die es auch lösungsmittelfrei gibt (weniger Geruchsbelästigung). Spezielle Kleber für Modellbahner sind z.B. auf Latexbasis hergestellte Schotterkleber.

Ein wie mir scheint wichtiger Hinweis zu Sekundenklebern: vor allem bei den dünnflüssigen Versionen müssen die zu verklebenden Teile sofort zusammengefügt werden oder man lässt den Kleber in die Fuge laufen. Steht der aufgetragene Kleber nur kurze Zeit "offen", hält er nicht mehr.

Relativ neu auf dem Markt sind die sogenannten "Montagekleber" für Bauarbeiten auf Acrylbasis (nicht zu verwechseln mit Fotoklebern, die auch oft als Montagekleber bezeichnet werden!). Diese Kleber werden in Kartuschen geliefert (wie z.B. Acryl- bzw. Silikon-Fugenmasse) und eignen sich sehr gut zur Verklebung von Hartschaum (Styrodur, Styropor o.ä.) untereinander oder auf Holz. Die hohe Anfangsfestigkeit der Klebestellen erlaubt zügiges Weiterarbeiten.

Hier ein paar Links zu Herstellern (ohne Wertung). Dort gibt es auch Tips für die Anwendungsbereiche!

Weitere Tipps
Hier eine Sammlung weiterer Tips und Tricks (hoffentlich nicht nur ) aus meiner Küche. Die Empfehlungen kommen aus der Praxis, eine Gewähr für das Gelingen kann aber nicht gegeben werden, da vieles auch von den verwendeten Materialkombinationen oder Werkzeugen sowie der handwerklichen Fertigkeit des Modellbauers abhängt. Allerdings: was ich kann sollte auch anderen keine Probleme bereiten! Am besten erst an Abfallstücken ausprobieren, beim Modellbau geht probieren nicht immer, aber häufig vor studieren.
Seefolie Gewässer können sehr einfach und ansprechend mit den handelsüblichen Seefolien gestaltet werden. Diese sollten jedoch nie "freischwebend" eingebaut werden, sondern aufliegen, z.B. auf einer Plexi-Platte oder direkt auf dem bemalten Untergrund. Spätestens wenn man den darauf gesammelten Staub entfernen will verformt sich die Folie.
Grasmatten Bei vielen verpönt, aber (für mich) ein guter Kompromiss wenn es pressiert sind die fertigen Grasmatten. Allerdings ist beim Aufleimen der Matten zu beachten, daß wasserhaltige Kleber wie Tapetenkleister oder Weißleim dazu führen daß die Matten aufquellen und Blasen werfen und sich der Kleber löst, mit dem das Gras auf dem Trägerpapier aufgeleimt ist! Andererseits wird oft Styropor als Untergrund verwendet und das verträgt wieder keine lösungsmittelhaltigen Kleber. Gute Erfahrungen habe ich mit Bastelklebern wie "Uhu flinke Flasche" gemacht.

Scharfe Randlinien kann man vermeiden, wenn man ein scharfkantiges (Stahl)Lineal auf die Rückseite legt und die Matte entlang der Kante abreißt.

Gleisschotter Über Gleisschotter ist schon so Viel geschrieben worden, daß man nur wiederholen kann. Trotzdem ein paar Bemerkungen dazu:

Gleisschotter ist bei den "Standardanbietern" wie Faller meist zu grob. Lösung: Verwenden Sie für H0- Anlagen Gleisschotter, der für N angeboten wird.

Gleisschotter aus echtem Gestein ist unübertroffen in der Wirkung, aber herkunftsgemäß schwer.

Für die Fixierung ist die verbreitetste Methode aufträufeln von verdünntem Weißleim mit einem Tropfen Spülmittel (statt Spülmittel kann auch das Netzmittel verwendet werden, das für Fotolabore verwendet wird, kann besser dosiert werden, kost aber auch mehr!)

Fertig geschotterte Gleisbettungen wie z.B. von Merkur sind einfach in der Handhabung: mit Weißleim aufkleben und Gleis eindrücken. Ich verwende sie gerne (mit Märklin K) weil es schnell geht und die Gleise einfach wieder herausgehoben werden können, wenn man umbauen will. Es hat halt alles seine Vor- und Nachteile..

Straßenbau

Straßenoberflächen können sehr schön (gut, Geschmackssache) mit feinem Schleifpapier nachgebildet werden, das mit grauer Farbe gestrichen wird (achtung: Pinselhaare werden immer kürzer ;-) ). Nachteil: Schleifpapier ist im normalen Handel nur in kleinen Bögen erhältlich. Eine zufällig gefundene Bezugsquelle sind Schreinereien, wo es große Schleifmaschinen mit ca 1qm Fläche (für Furnierschleifen ?) gibt. Die verbrauchten Bänder dieser Schleifmaschinen sind i.d.R. kostenlos erhältlich, wenn man höflich frägt!

Bahnübergänge

Für Rampen und zwischen den Gleisen ist Balsaholz gut geeignet, je nach Oberflächenbehandlung kann man Beton/Asphalt oder Holzbohlen imitieren.
Unterlage beim Kleben Kleber haben die Eigenschaft, entweder nirgends oder überall zu haften. Letzteres ist vor allem bei der Arbeitsfläche unangenehm... Wenn Sie das Schutzpapier von Klebefolien (d-c-fix o.ä.) aufheben, haben Sie die ideale Unterlage für Klebearbeiten, genauso gut eignet sich Backpapier.
Staubsaugen Nicht von mir, sondern aus der Newsgroup kam folgender Tip: eine (alte, sonst gibt es Ärger) Damenstrumpfhose über die Rohröffnung des Staubsaugers gezogen verhindert, daß Kleinteile sich im wahrsten Sinne des Wortes "aus dem Staub" machen.

 

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Verfasser: Peter Popp
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