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Umarbeitung einer Lima-645

Einem geschenkten Gaul.... ein alter Spruch und für den Modellbahner, der schon etwas Blut (oder besser gesagt Kleber und Farbe) geleckt hat nur zur Hälfte passend.

Auf jeden Fall habe ich mich schon mal gefreut, mit einer schrottigen 645 von Lima überhaupt ein italienisches Triebfahrzeug geschenkt zu bekommen, vor allem da diese Ausführung (gerade Front mit 2 Fenstern) noch in meiner Sammlung fehlte. Und so wie die Lok aussah - ohne Stromabnehmer, ein Puffer fehlte, Glubschaugen als Scheinwerfer und ähnliche Vereinfachungen eines Modells dieser Herkunft und Alters - konnte ich unverzagt an's Werk gehen, ohne noch etwas kaputt machen zu können (so denkt man erst mal).

Der Antrieb sei auch noch ausgeklammert, da schweigen wir erst mal drüber...

Vorab ein Wort zu den Kosten: gerade wenn man Ersatzteile für einen solchen Umbau benötigt, ist das meist nicht gerade billig. Jeder muss selber entscheiden, wie viel ihm der Spass an der Sache das Ganze wert ist! Hauptposition waren hier die Pantos mit 14 Euro pro Stück.

Vom kompletten Ursprungszustand gibt es kein Bild, aber hier (vor allem am Gehäuseteil links im Bild) ist das schlimmste noch zu sehen:
beide Stromabnehmer fehlen (rechts bereits ein Roco-Panto aufgesetzt), ein Puffer (die serienmässig mehr an alte Nägel erinnern) war ebenfalls verschwunden. Eine Griffstange hatte ich versuchsweise durch 0,3mm- Messing-Draht ersetzt, allerdings ist dieser Draht zu weich, stattdessen wurde eine Stecknadel (die billigen Naderln, die bei der Verpackung von Herrenhemden Verwendung finden, sind hier ideal, da sie sich im Gegensatz zu "richtigen" Stecknadeln leicht biegen lassen und nicht brechen) .
Die serienmässigen Griffstangen stehen unter Druckspannung und wölben sich daher nach aussen.
Die Scheinwerfer bzw. Lichteinsätze erinnern durch ihren Durchmesser eher an Glubschaugen.
Am Gehäuseteil rechts im Bild sind kurze, konisch zugespitzte Messingrohrstücke eingesetzt und auf die gerade abgefeilte Pufferbrust Kunststoffpuffer (ebenfalls Ersatzteile für die Roco - 645 ) aufgesteckt.

In der Seitenansicht (Gehäuseteile provisorisch aufgesetzt, die Faltenbalgattrappe zwischen den Lokhälften fehlt hier) ist ersichtlich, dass die Drehgestellblenden (die nicht einmal schlecht detailliert, aber aus viel zu hellem Kunststoff sind) gealtert wurden. 
Übrigens hat man bei Lima den Lokkasten bzw. das Gehäuse nicht so weit heruntergezogen, wie es dem Vorbild entsprochen hätte und auch an den Aufstiegsleitern gespart.
Hier die beiden Lokhälften nebeneinander von vorne: die Griffstangen wurden jeweils am unteren Ende stärker umgebogen und sitzen jetzt mit Zug in den Löchern; ausserdem wurden sie passend lackiert und wirken dadurch bei gleichem Durchmesser ungleich zierlicher. Gleiches gilt für die Scheinwerfer, Einsätze müssen noch gefertigt werden.
Deutlich sind die Isolatoren zu sehen, auf denen der bereits montierte Roco-Stromabnehmer sitzt. Die Roco-Lok hat hier angespritzte "Gnubbel", in denen die Isolatoren sitzen - ich weiss noch nicht, ob ich es so lasse (vor allem da die Löcher etwas zu nahe beinander liegen und die Isolatoren sichtbar schräg sitzen), leider fehlen mir hier detaillierte Vorbildaufnahmen, wobei dies noch wesentlicher für die Lackierung gilt; ein mir vorliegendes Foto eines gleichen 645er Typs zeigt die gleiche Lackierung, aber ohne die weissen Zierlinien, die möglicherweise nur diese Lok hat(te)...

Der Versuch, die erhabene Typennummer auf der Pufferbohle mit weisser Farbe hervorzuheben, ist etwas missglückt (was auch an der schlechten Prägung liegt). Eventuell nochmals abschleifen und mit Decals machen? Mal sehen.

Es fehlen auch noch die typischen Rangierer-Griffstangen (umgekehrtes U) rechts und links an der Pufferbohle.


Hier nochmals das gleiche Bild aus anderer Perspektive. Das Alterungs-Farbset von Conrad (Gunze-Sangyo-Farben) passt gut zu den FS-Farben, ausserdem lassen sich diese Farben hervorragend verarbeiten und riechen nur wenig.

Eine tabellarische Auflistung der Arbeiten:


Zerlegen der Lok. Dazu sind die Puffer zu entfernen, vom mittleren Drehgestell der Boden abzuschrauben und die Achsen auszubauen; nun erreicht man eine Befestigungsschraube je Gehäusehälfte.

Die Reste der Stromabnehmerbefestigung abschrauben, die beiden Gnubbel oben am Dach rechts und links vom  Befestigungsloch mit einem Seitenschneider oder Messer/Feile entfernen. Stromabnehmer (Roco Ersatzteil Nr. 085265, Scherenpanto FS Typ 5 zu 14 Euro p.St.)  provisorisch aufschrauben und die 4 Löcher der Isolator-Befestigung am Dach markieren (mit Reißnadel o.ä.). Nach Abnahme des Stromabnehmers Löcher mit 0,8er-Bohrer und Stiftenklöbchen bohren und Isolatoren (Roco-Ersatzteil Nr. 088156, Isolatorsatz mit allen 8 benötigten Isolatoren 3,20 Euro) mit der flachen Seite zum Panto hin einstecken, dann Stromabnehmer wieder aufsetzen und anschrauben (Achtung: hier bleibt ein zwischenraum zwischen dem Gehäusedach und dem Stromabnehmer, evtl. kurzes Röhrchen o.ä. beilegen).

Die Beleuchtungseinsätze vorsichtig herausbrechen und durch kurze Messingröhrchen (3mm Aussendurchmesser), die konisch zugeschliffen (gedreht wäre natürlich noch besser) sind, ersetzen (mit Sekundenkleber einkleben). In die Röhrchen Lichtleiter einpassen oder Mikrobirnchen einsetzen.

Fenstereinsätze herausnehmen (da sich sonst die Griffstangen nicht abnehmen lassen), Griffstangen unten nach aussen abziehen und jetzt oben herausziehen. Griffstangen unten um ca. 0,5 mm kürzer umbiegen, so, dass das Ende wieder leicht nach oben steht; sie müssen sich jetzt wieder einsetzen lassen, so dass sie leicht unter Zug stehen.
Griffstangen in Hellbraunolive (Farbe wie Lokkasten) lackieren (wobei Griffstangen immer etwas verrostet und "betatscht" aussehen, also der genaue Farbton ist hier nicht so entscheidend), eventuell die zu großen Löcher mit dicker Farbe im Ton des Gehäuses füllen bzw. abdecken.

Puffer-Hülsen auf der Bohle abfeilen, Löcher passend für Roco-Puffer (Ersatzteil Nr. 088597, 4 St. a 0,90 Euro) aufweiten (etwas fummelig, da viereckige Schlitze erforderlich sind). Eventuell auch nur planfeilen und Steckteil vom Puffer entfernen, so dass diese bündig aufgeklebt werden können.
Ggf. Löcher bohren und Schlauchimitationen einstecken.

Räder ausbauen und Spurkränze abdrehen oder -feilen, Räder brünieren oder anmalen und wieder montieren.

Was fehlt noch?

in erster Linie natürlich der Antrieb - nicht nur, dass der alte Lima-Motor eine Katastrophe ist (viel zu schnell), auch die Drehgestellaufhängung ist abenteuerlich und lässt als Alternative vor allem an ein Standmodell denken oder daran, den Antrieb völlig zu entfernen und die Lok als Dummy einzusetzen.

Die Kupplungen könnten eine Kurzkupplungskulisse vertragen, die Original-Bügelkupplungen sind auch sehr klobig.

Inwieweit an die Lok ein Schienenräumer passt, müssten Vorbildaufnahmen genau dieses Exemplars zeigen, ebenso - wie bereits erwähnt - die Frage der Zierlinien.