Lichtsignale der FS selbstgebaut

Vorbemerkungen

Der Freund italienischer Bahnen (FS) steht häufig vor dem Problem, dass entsprechende Modelle hierzulande nur in geringer Auswahl zur Verfügung stehen. Dies gilt auch für das Lichtsignal der FS. Die Ausführung von Lima kann allenfalls dem Spielbahner gefallen, ein weiterer Anbieter (il Treno, siehe Links) bietet sehr schöne Exemplare, allerdings sind diese m.W. in Deutschland nicht erhältlich. Hier bietet sich der Selbstbau als Alternative an. 
Nebenstehend ein Foto eines solchen Signals, aufgenommen im Bahnhof Meran anlässlich einer Tagesfahrt nach Südtirol. Interessant ist, dass diese Signale einen einzigen Lichtaustritt für verschiedene Farben (grün und rot) besitzen. 
Wie vieles bei der FS, so sehen auch diese Signale schon im Original wie selbstgebastelt aus. 
Wer sich näher für das Thema interessiert, findet unter 
http://interrail.publinet.it/semafori/index.html
eine (italienische) Erklärung der verschiedenen Signalbilder.

Die Vorlage:

Zunächst beginnt man natürlich mit einer einfachen Ausführung. Aber welche Maße hat ein solches Signal? Ich hatte bei meiner Meranreise zwar zahlreiche Fotos geschossen, aber nicht daran gedacht, Maße zu nehmen. Ich habe daher versucht, die Abmessungen aufgrund eines Fotos zu rekonstruieren; naheliegend war dabei ein Bild, auf dem ein Mann neben einem Signal stand. Aufgrund einer plausiblen Körpergrösse wurden die Originalmaße und daraus die 1:87-Modellabmessungen errechnet.
Mittlerweile habe ich unter http://www.irlanda2000.info das Gesuchte gefunden. Hier einige Maße: Scheibendurchmesser 70 cm Durchmesser der schwarzlackierten Innenseite 59cm Lichtauslass 20,5 cm Durchmesser Blendschirm 50 cm lang Höhe v. Boden bis Mittelpunkt Signalscheibe 4,30 m

Als weitere Vorlagen dienten verschiedene Bilder, u.a. aus den Sonderheften "125 Jahre Brennerbahn" vom Eisenbahnjournal.

Entsprechend den ermittelten Maßen habe ich mit Autosketch mehrere Entwürfe gezeichnet (siehe Abbildung rechts), auf dieser Basis manches "nach Gefühl" bzw. Bedarf angepasst, so die Lichtöffnung auf 3 mm wegen der verwendeten LED, der Durchmesser der Scheibe dementsprechend geringfügig größer (11,5 mm statt 10 mm) und der Mastdurchmesser 2 mm, da ein 3mm-Messingrohr zu massiv wirkte. Originalmaße finden Sie unter http://www.segnalifs.it!
Näheres dazu auch unter Bau weiter unten.

Unten ein Screenshot einer solchen Zeichnung, die obere Scheibe wurde in diesem Fall weggelassen und der Mast entsprechend gekürzt. Achtung, die Masthöhe beträgt 87 mm, 67 mm ist der Abstand zwischen unterem Mastende und Seitenarm (Oberkante).

zum Bau:

Gerade die Standardausführung mit dem Rundmast erfordert nur wenige Teile (siehe Stückliste):

Der Rundmast wird aus einem 2-mm-Messing-Rohr gefertigt. Die Länge richtet sich nach dem Signaltyp (1, 2 oder 3 Scheiben, siehe hierzu wiederum die Beschreibung der Signalbilder).

Ausleger: hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine Version ist aus 1,5 mm starkem Messingblech, das gemäß Vorlage zugesägt bzw. - gefeilt wird. Dabei wurde der Ständer für Signalscheibe bzw. Lampenkasten mit herausgeformt und rund zugefeilt. Bei einem anderen Exemplar wurde der Ausleger aus dünnem Messingblech geschnitten und der Ständer durch eine auf das untere LED-Bein aufgeschobene Isolierung (von einer dickeren Litze) nachgebildet. Weitere Signale werden ein dünnes Messingrohr (1,5mm) als Ständer erhalten. In allen Fällen wird der Ausleger an den Lampenmasten gelötet. Dabei können ggf. die Schellen durch dünne Messingstreifen oder Drahtstücke nachgebildet werden.

Scheibe und Blende bestehen aus festem Alublech (wie z.B. für Fertiggerichte verwendet). Das Vorderteil der Scheibe wurde mit dem Laserdrucker auf Aufkleber gedruckt, auf die Alufolie geklebt und mit einer gewöhnlichen Schere ausgeschnitten. Ich habe für die Scheibe einen Durchmeser von 11,5 mm verwendet, maßstabsgetreu wären es 8 mm, was jedoch bei der verwendeten 3-mm-LED besser wirkt - der Original-Lichtauslass entspricht ca. 2,4 mm in H0, hier könnten SMD-Duo-LED's verwendet werden. Die Blende wurde gegenüber dem Original gekürzt (5,7 mm wären dies umgerechnet), da ja auf der Modellbahnanlage das Licht nicht nur aus Sicht des Lokführers sichtbar sein soll. Es bleibt natürlich dem Nachbauer überlassen, inwieweit er von den Originalmaßen abweicht; eine Bauanleitung von iTreni weist 10 mm Scheibendurchmesser (bei ebenfalls 3mm LED) aus.

Die Blende wurde nach Einstecken der LED in die Scheibe über die LED gesteckt und mit Sekundenkleber befestigt.
Es ist dabei darauf zu achten, dass die Scheibe gerade ist und sich nicht -z.B. durch ein zu kleines Loch- beim Aufstecken auf die LED verbiegt! Hilfreich ist hierbei, die Scheibe nicht mit der Hand auf die LED zu schieben, sondern die Scheibe verkehrt (Vorderseite unten) auf eine Platte - z.B. altes Platinenmaterial - mit einer 3-mm-Bohrung zu legen und anschliessend die LED durchzustecken.

Als Lichtquelle findet eine Duo-LED mit 3 mm Durchmesser Verwendung, einer der Anschlüsse (es handelt sich hier um eine 2-polige Version, die durch Polwechsel geschaltet wird) wurde an den Ausleger gelötet (gleichzeitig "Halterung" des Signals), der andere an einen dünnen isolierten Draht.

Abgedeckt wird das ganze von hinten durch ein "Lampengehäuse", so dass die Anschlüsse und Rückseite der LED nicht mehr sichtbar sind. Dazu wurden LED-Halterungen, die aus einer Telefonanlage ausgeschlachtet wurden, passend zugesägt und -gefeilt. Alternativ könnte der Lampenkasten z.B. aus einem Streifen festen Papier oder Plastik - zu einem Viereck geknickt - aufgeklebt und mit Stabilit Express ausgefüllt werden, nach dem Trocknen wird die Form zurechtgefeilt (Kanten abrunden bzw. anfasen). Das Lampengehäuse sollte nicht aus Metall bestehen, da sonst Kurzschlussgefahr wegen der LED-Beinchen besteht.

Die schwarz-weissen Markierungen (siehe dazu die Signalbedeutungen!) am Masten wurden ebenfalls mit einem um das Messingrohr gewickelten, vorgedruckten Aufkleber erstellt, der gleichzeitig das Anschlusskabel fixiert (auch bei den Originalsignalen werden zumindest teilweise die Kabel aussen am Masten geführt).

Mast, Ausleger und Scheibenrückseite sowie das Anschlusskabel sind hellgrau zu lackieren, die Blende und der Mittelteil der Scheibe mussten mit schwarzer Farbe nachgebessert werden, da der Sekundenkleber den Toner angelöst hatte.

Hinweis: Bei der FS wird zwischen "Signalen 1. Ordnung" und "Warnsignalen" unterschieden, was in etwa Haupt- bzw. Vorsignal entspricht. Die schwarz-weissen Streifen kennzeichnen ein Signal als Warnsignal, während die Signale 1.Ordung einen unten schwarz, oben weiss lackierten Masten besitzen. Die Signale können bis zu 3 Scheiben tragen. Siehe dazu u.a. die unter Links aufgeführten Seiten!

Ausserdem gibt es Signale mit runden und eckigen Scheiben, dabei sind diese gleichbedeutend: Die Form kennzeichnet jeweils den Standort, links stehende Signale (das ist die Regel) sind rund, rechts stehende quadratisch. Wichtig ist diese Unterscheidung vor allem bei mehreren Gleisen nebeneinander, um zu erkennen, welches Signal nun maßgebend ist.
Am ersten Prototypen fehlt noch die Aufstiegsleiter mit dem Korb (Schutzgeländer) für den Lampenwechsel (siehe Zeichnung rechts). 

Diese werden als Ätzteil entstehen; dabei sollen noch Lichtschirm und -Scheibe sowie der Ausleger auf diese Weise mit hergestellt werden. Ausserdem kann das Aussehen mittels entsprechender Mastschellen für die Ausleger- bzw. Leiterbefestigung verfeinert werden, dazu können schmale Streifen aus Messingblech (ca. 0,5 x 0,1 mm) um den Masten gewickelt werden. Am besten ist dies auf Vorbildfotos zu sehen. 
 

Daneben warten noch andere FS-spezifischen Teile wie z.B. die "Windmühlenflügel" an den Bahnübergängen auf ihre Realisierung.... 

 

Benötigte Werkzeuge:

Schere, Metallsäge, eine feine Feile (Schlüsselfeile flach), Lötkolben und Elektroniklot, Bastelmesser und eine geeignete Unterlage. Ich bevorzuge dazu Graupappe, die farblich neutral ist und den Arbeitstisch vor Schnitten, Farb- bzw. Kleberflecken und Wutanfällen schützt. 
Auf nebenstehendem Bild (links) im Vergleich das selbstgebaute Signal und die Lima-Ausführung. Ein Kommentar erübrigt sich wohl, vor allem im Vergleich zum Original rechts. Hinweis: das Anschlusskabel - der 2.Pol liegt am Masten - ist hier zur besseren Darstellung noch unlackiert. 

Nebenbei: von Moritz Gretschel bekam ich einen Hinweis auf eine Bauanleitung eines FS-Signals mit Signalbrücke in der Zeitschrift I Treni, die Maße dort passen weitgehend zu den von mir verwendeten, allerdings hat dort die Signalscheibe nur 10 mm Durchmesser (bei ebenfalls 3 mm Lichtaustritt). Zwar ist auch dies mehr als das 1:87 verkleinerte Original, aber vom Eindruck her durchaus vertretbar.

Einbau

Der Einbau erfolgt einfach mit einer Bohrung in die Grundplatte bzw. das Trassenbrett. Dabei sollte noch ein flacher Sockel (z.B. aus einem Holzstück, aber auch Mastfundamente der Sommerfeld-ÖBB-Oberleitung sind verwendbar) eingesetzt werden.

Für die LED ist ein Vorwiderstand erforderlich. Zu beachten ist, dass - wie bereits erwähnt - zum Wechsel grün/rot eine Polwechselschaltung anzuschliessen ist, z.B. über ein bistabiles Relais. Will man alle möglichen Signalbilder ansteuern - insbesondere bei Signalen mit 2 oder 3 Scheiben - stellt sich die Elektronik als gewisse Herausforderung dar, da hier die verschiedensten Kombinationen auch mit wechselndem oder gleichzeitigem Blinken bestehen.

Stückliste

Bauteil Material /Maß Bemerkung
1 Mast Messingrohr 2 mm Durchmesser Länge je nach Signaltyp
2 Ausleger Messingblech  siehe Text
3 Signalscheibe Blech siehe Text
4 Leuchtdiode 3mm Farbe nach Signaltyp, evtl. Duo-LED
5 Vorwiderstand 1 kOhm ggf. Wert nach Versorgungsspannung / Diodentyp bestimmen
6 Aufstiegsleiter mit Korb gemäss Zeichnung Ätzteil
7 Anschlussdraht

Weiter geht es mit Teil 2!

Links

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Vorbild:
Wer sich für das Thema näher interessiert, sollte folgende Seiten besuchen: Diese Seiten sind italienisch, teilweise mit englischer Übersetzung.

Modell:
Moritz Gretschel ist ebenfalls ein Freund italienischer (resp. Südtiroler) Bahnen und arbeitet an einer interessanten Anlage nach dem Vorbild von Mals im Vinschgau.

Wer weitere Seiten zu diesem Thema kennt, bitte mich per email informieren - Danke!

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Verfasser: Peter Popp
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